IG Äußere Neustadt

Einen interessanten Wochenstart versprach mein Terminkalender gleich nach Ostern.  So traf ich vormittags Friederike Beyer. Sie ist eine der Gründungsmitglieder der IG Äußere Neustadt. So mancher kennt sie vielleicht noch als Kandidatin zur OberbürgermeisterInnenwahl 2001.  Und am Nachmittag traf ich Detlef Pflugk. Ebenfalls einer der langjährig engagierten Mitstreiter der IG.

Die IG Äußere Neustadt ist eine Bürgerinitiative, welche sich 1989 gründete und sich gegen den Abriss des Stadtviertels wehrte und die letzten Wahlen in der DDR als unabhängige Bürger überwachten und so den Wahlbetrug aufdeckten. Sie schafften es, dass die Äußere Neustadt noch zu DDR-Zeiten als Sanierungsgebiet gekennzeichnet wurde.

Mit der Wende traten zahlreiche Bürger der IG bei. Viele wollten etwas verändern. Zeitweise zählte die IG über 200 Mitglieder. Die vielfältigen Interessen spiegelten sich in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern wieder, in denen die IG arbeitete. Der gewichtigste davon war die Sanierungskommission, ein Gremium, welches sich die Bürger selbst geschaffen hatten zur Mitbestimmung beim Stadtumbau. Als parteiunabhängiges Sprachrohr der Bürger von der Stadtverwaltung anerkannt, brachten sie viele Projekte im Stadtrat zur Sprache. Eines davon ist der Wiederaufbau des Nordbades. Sie setzten sich ein für den denkmalgerechten Wiederaufbau der wertvollen Bausubstanz im Stadtteil, die Sicherung peiswerten Wohnraums, die Stützung und Erhalt der kleinen mittelständischen Betriebe, die Schaffung familienfreundlicher Wohnbedingungen und die Bewahrung der historisch gewachsenen Bau- und Nutzungsstruktur des Stadtviertels.

Kann sich noch jemand daran erinnern: 1990 waren 80% der Wohnungen mit Außen-WC und 95% hatten eine Einzelofenheizung! In 10 Jahren wurde ca. 1 Milliarde DM investiert. Wo alteingesessene Neustädter auf Investoren und neues bundesdeutsches Mietrecht stoßen, gibt es jede Menge Reibungspunkte. So führte die IG eine Mieterberatung ein. Federführend genannt sei hier Detlef Pflugk. Durch die Nutzung vieler persönlicher Kontakte und die Suche nach Gesprächen konnten viele Probleme beseitigt werden. Seinem Ordnungssinn habe ich auch die Grundlage meines Archivs zu verdanken. Daneben gab es die AG Geschichte, welche die historischen Hintergründe der Äußeren Neustadt erforschte und somit wieder die Sanierungskommission unterstützte.

Nachdem die Mehrheit CDU/FDP und Volkssolidarität im Stadtrat die Auflösung der Sanierungskommission Äußere Neustadt beschlossen hatte, stellte diese ihre Arbeit am 01.01.2000 ein. Und wenige Jahre später löste sich auch die IG Äußere Neustadt auf.

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