Eine Konferenz wie sie im Buche steht

Zu meinem Glück bekam ich die Chance an der 26. Archivpädagogenkonferenz teilzunehmen. Deren Untertitel lautete „(Lehrer und) Schüler im Spannungsfeld zwischen mündlicher und schriftlicher Überlieferung“. Soweit ich das am Anfang überblicken konnte, ging es um Zeitzeugen, deren Aussagen und wie man diese zu behandeln hat. Wobei es natürlich bei jedem Thema zu Meinungsverschiedenheiten kam.

Diese Veranstaltung begann letzten Donnerstag in der BStU. Die Eröffnungsrede beinhaltete die Geschichte der Stasi in Kurzfassung und die Begrüßung der Gäste, die aus ganz Deutschland angereist waren, um diesem wichtigen Ereignis beizuwohnen. Außerdem stellte ich einigermaßen verblüfft fest, dass permanent intelligente Witzchen gerissen wurden. Danach wurde uns der kilometerlange Aktenbestand vorgeführt, der Aufbau der Datenbank erläutert und wir erfuhren einiges über die fiesen Machenschaften der Stasi.

Der zweite Tag startete im Sächsischen Staatsarchiv. Nach der Eröffnungsrede folgten zahlreiche Fachvorträge. Zum Nachdenken brachten die Bemerkungen von Frank Richter, heute Direktor der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, gehörte zur Gruppe der 20.  Er berichtete über seine Erfahrungen selbst Zeitzeuge zu sein und von den Hürden 400mal dieselbe Geschichte erzählen zu müssen. Natürlich konnten wir auch einen Blick in das Hauptstaatsarchiv werfen und bekamen zu ausführliche Infos über die vorgenommenen Sanierungen.

Am Nachmittag wurden noch weitere brisante Punkte im Stadtarchiv abgehakt. Die Kurzfilme des Schulmuseums Leipzig, in denen Schüler in verschiedenste Rollen schlüpften, haben mir sehr gut gefallen. Nach dem ansonsten relativ eintönigen Geschwafel hatten wir die Ehre uns die älteste Urkunde Dresdens aus dem 13. Jahrhundert anzuschauen.

Die Neugier auf waschechte, exclusive Berichte konnte zu später Abendstunde endlich gestillt werden. Alle Versammelten hingen an den Lippen der Zeitzeugen. Die beiden Interviewten spielten eine nicht unwesentliche Rolle bei der Revolution 1989 in Dresden. Mit einer Mischung aus Glück und Zufall gelang es einem Pfarrer sich Gehör zu verschaffen und die legendäre Gruppe der 20 zu bilden. Die Ereignisse wurde aus zwei gegensetzlichen Perspektiven geschildert. Eine Seite bildete der ehemalige Pfarrer Frank Richter und die andere der frühere Volkspolizist Detlef Pappermann. Purer Nervenkitzel und viel besser als Kino.

Am letzten Tag wurde aus den einzelnen Archiven, die zahlreich vertreten waren, berichtet. Zum Schluss wurden noch Schülerprojekte vorgestellt. Besonders das „Das verschwundene Dorf Pöhl“ war eine farbenfrohe Abwechslung. Vor allem da die Grundschüler die Dinge aus ihrer Sicht und mit viel Spaß an der Sache schilderten.

Es hat sich gelohnt. Allerdings sind manche Archivare wirklich graue Mäuse und hören sich viel zu gern reden.

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