Autor: lolaritter

Mein Fazit über das Schülerpraktikum

Foto: Grit Werner

Es war eine gute Idee im Stadtteilarchiv Praktikum zu machen. Hier habe ich viele neue Erfahrungen gemacht und auf jeden Fall eine Menge gelernt. Ja, es war anspruchsvoll! Aber es hat sich definitiv gelohnt!!!

Neue Fähig- und Fertigkeiten u. a. im Umgang mit Datenbanken/ dem Archivsystem und das Schreiben von Artikeln, die ich erworben habe, werden bestimmt noch ihre Anwendung finden. Das war schon mal ein kleiner Ausblick auf das künftige Arbeitsleben. Dagegen ist Schule wesentlich weniger anstrengegend und um einiges freizeitfreundlicher als so ein Knochenjob. Hut ab vor jedem, der richtig arbeiten geht.

Ganz bestimmt werden sich diese neuen Erkenntinsse positiv auf meine Lebenseinstellung auswirken, außerdem wird bei mir Zuhause mehr Ordnung herrschen und vielleicht stell ich meine alten Hefter aus der Grundschule auch demnächst ins Netz. Einfach weil sie ja dann so wunderbar geordnet sind und für die Nachwelt erhalten bleiben sollen.

Auf einer Skala von 1 bis 10 (wobei 10 das Beste ist) erhalten diese zwei Wochen im und außerhalb des Archivs eine 9 mit Sternchen. Eine reife Leistung, die sich sehen lassen kann und mit einem glänzenden Durchschnitt das Abi bestanden hätte. Also ich empfehle weiter!

Leider bedeutet das auch, dass ich mich damit von Euch verabschiede. Vielen Dank für den Applaus!

Eure Lola

Erforschen der neustädter Hinterhöfe mit Una Giesecke

Hinterhof
Foto: Kroll

Diese Stadtführung überfällt keine Kneipen und erzählt nicht nur von Geschichte, sondern verrät super geheime Insidertipps. Ein Besuch des BRN-Museums ist sogar inklusive.

Für alle, die nicht verpassen wollen, wenn echte Neustädter so richtig auspacken:

10 Uhr, Albertplatz „Brunnen Stille Wasser“ und 8 € nicht vergessen!!! Erster Termin ist der Sonntag 6.Mai 2012.

Anmeldung (Fragen): hier oder im Stadtteilarchiv 0351-2672207 anrufen.

Das wahre Wesen der BRN passt nicht in eine Bierflasche… auch für Dresdner interessant!

Eine Konferenz wie sie im Buche steht

Zu meinem Glück bekam ich die Chance an der 26. Archivpädagogenkonferenz teilzunehmen. Deren Untertitel lautete „(Lehrer und) Schüler im Spannungsfeld zwischen mündlicher und schriftlicher Überlieferung“. Soweit ich das am Anfang überblicken konnte, ging es um Zeitzeugen, deren Aussagen und wie man diese zu behandeln hat. Wobei es natürlich bei jedem Thema zu Meinungsverschiedenheiten kam.

Diese Veranstaltung begann letzten Donnerstag in der BStU. Die Eröffnungsrede beinhaltete die Geschichte der Stasi in Kurzfassung und die Begrüßung der Gäste, die aus ganz Deutschland angereist waren, um diesem wichtigen Ereignis beizuwohnen. Außerdem stellte ich einigermaßen verblüfft fest, dass permanent intelligente Witzchen gerissen wurden. Danach wurde uns der kilometerlange Aktenbestand vorgeführt, der Aufbau der Datenbank erläutert und wir erfuhren einiges über die fiesen Machenschaften der Stasi.

Der zweite Tag startete im Sächsischen Staatsarchiv. Nach der Eröffnungsrede folgten zahlreiche Fachvorträge. Zum Nachdenken brachten die Bemerkungen von Frank Richter, heute Direktor der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, gehörte zur Gruppe der 20.  Er berichtete über seine Erfahrungen selbst Zeitzeuge zu sein und von den Hürden 400mal dieselbe Geschichte erzählen zu müssen. Natürlich konnten wir auch einen Blick in das Hauptstaatsarchiv werfen und bekamen zu ausführliche Infos über die vorgenommenen Sanierungen.

Am Nachmittag wurden noch weitere brisante Punkte im Stadtarchiv abgehakt. Die Kurzfilme des Schulmuseums Leipzig, in denen Schüler in verschiedenste Rollen schlüpften, haben mir sehr gut gefallen. Nach dem ansonsten relativ eintönigen Geschwafel hatten wir die Ehre uns die älteste Urkunde Dresdens aus dem 13. Jahrhundert anzuschauen.

Die Neugier auf waschechte, exclusive Berichte konnte zu später Abendstunde endlich gestillt werden. Alle Versammelten hingen an den Lippen der Zeitzeugen. Die beiden Interviewten spielten eine nicht unwesentliche Rolle bei der Revolution 1989 in Dresden. Mit einer Mischung aus Glück und Zufall gelang es einem Pfarrer sich Gehör zu verschaffen und die legendäre Gruppe der 20 zu bilden. Die Ereignisse wurde aus zwei gegensetzlichen Perspektiven geschildert. Eine Seite bildete der ehemalige Pfarrer Frank Richter und die andere der frühere Volkspolizist Detlef Pappermann. Purer Nervenkitzel und viel besser als Kino.

Am letzten Tag wurde aus den einzelnen Archiven, die zahlreich vertreten waren, berichtet. Zum Schluss wurden noch Schülerprojekte vorgestellt. Besonders das „Das verschwundene Dorf Pöhl“ war eine farbenfrohe Abwechslung. Vor allem da die Grundschüler die Dinge aus ihrer Sicht und mit viel Spaß an der Sache schilderten.

Es hat sich gelohnt. Allerdings sind manche Archivare wirklich graue Mäuse und hören sich viel zu gern reden.

Ein Ausschnitt aus dem Alltagsleben eines Archivars

Foto: Lothar Lange

Eine wichtige Aufgabe ist jeden Tag ackribisch das Besucherbuch zu führen. Dabei werden alle Personen vermerkt, die das Archiv betreten haben (außer dem Archivar selbst). Sprich: wer wann was genau gemacht hat.

Da demnächst das 15jährige Jubiläum des Stadtteilhauses entsprechend gefeiert wird, müssen Vorbereitungen, u. a. von meiner Wenigkeit, getroffen werden. Diese bestanden gestern darin, dass die Mieter des Hauses zu einer kleinen Vorbereitungsparty des Festtags eingeladen wurden. Zu diesem Zweck verschickte ich einige E-mails an mächtige Instanzen, führte mehrere wichtige Telefongespreche und verhängte riesige Hinweisschilder im gesamten Treppenhaus.

Danach wurde ich in die geheimnisvolle Welt des Archivwesens eingeweiht. Aus altem Wirrwarr, welches entweder aufgetrieben oder von hilfsbereiten Bürgern/ Exbürgern vorbeigebracht wurde, werden übersichtliche Akten angefertigt. Klingt einfacher als es ist. Bis gestern wusste ich nicht, dass ein, bereits zu einem bestimmten Thema angelegter, Ordner die Chaostheorie verkörpern kann. Nun nicht jeder, dessen Job es ist, den Papierkram zu verwalten, versteht auch was davon. Oder mir hat sich das Mysterium der Ordung der Unordnug dieser bestimmten Person, die den Ordner in den 90er Jahren anlegte, nicht eröffnet. Man kann natürlich nicht von einem auf alle schließen. Zum Thema Aktenverwandlung habe ich auch eine positive Erfahrung vorzuweisen. Aber selbst wenn das gewünschte Material gut abgelegt wurde, dauert es eine ganze Weile bis die Akte fertiggestellt ist. Man muss alles durchsehen, enteisen und sauber beschriften. Wenn diese langwierige Prozedur erledigt und die Akte im Schrank verstaut ist, muss diese noch in die Datenbank eingepflegt werden. Eine mindestens fünfstellige Nummer und einige Details zu Inhalt, Titel usw. werden abgespeichert. Natürlich ist eine genaue und strukturierte Vorgehensweise Grundvorraussetzung für diesen Teil der Archivarsarbeit.

Mein erster Eindruck vom Stadtteilarchiv

Mein Name ist Lola, ich bin 15 Jahre alt und mache die nächsten zwei Wochen ein Schülerpraktikum im Stadtteilarchiv Dresden-Neustadt.

Zuerst einmal, wie ich hier her gefunden habe: zufälliger Weise über diesen Blog, in dem ich auf einen Artikel vom letzten Praktikanten stieß. Schon allein die Gestaltung der Website sah so gar nicht nach alten Akten und verstaubten Antiquitäten aus. Denn mal ganz ehrlich, jeder, der an einen Archivar denkt, ohne einen zu kennen, hat sofort ein klischeehaftes Bild im Kopf. Doch gegen die meisten Annahmen ist dieser Beruf ziemlich anspruchsvoll. Es geht nicht nur darum wichtige Zeitzeugen zu finden und deren Aussagen zu sortieren und abzulegen, um für die Nachwelt erhalten zu bleiben, sondern es müssen nebenbei noch viele Veranstaltungen des Stadtteilhauses geplant und Sponsoren aufgetrieben werden. Das alles unter einen Hut zu bringen erfordert nicht nur starke Nerven, sondern auch ein enormes Organisatonstalent und gründliches Allgemeinwissen. Meiner Aufassung nach ist der Beruf des Archivars total verkannt, für die bedeutende Arbeit, die hier fast täglich geleistet wird. Bei dem ganzen Stress noch freundlich und sympatisch zu bleiben, grenzt an ein Wunder und ist nur mit Persönlichkeit und jeder Menge Engagement zu schaffen.